Koordinationstraining im Kinder- und Jugendfußballtraining


Eigentlich muss man es nicht extra erwähnen, dass das A und O für gute Nachwuchsfußballer/innen ein gutes, fundiertes Training ist. Beim Training geht es natürlich um die Vermittlung der technischen Grundlagen, ganz wichtiger Bestandteil des Trainings mit wachsender Bedeutung sind jedoch auch Ballkoordination und allgemeines Koordinationstraining.   

Motorische und koordinative Fähigkeiten werden im heutigen Medienzeitalter sehr häufig nicht mehr wie früher „einfach so nebenbei“ mitgelernt, da viele Kinder viel Zeit vor dem PC, dem Fernseher und Spielkonsolen etc. verbringen und sich so deutlich weniger bewegen.

Es ist also in verstärktem Maße Aufgabe der Trainer und Vereine geworden, sich um die Ausbildung motorischer und koordinativer Fähigkeiten junger Spieler zu kümmern – da dies noch wenig bekannt ist, wird diese Tatsache oft noch nicht genügend berücksichtigt.

Man kann diese Tatsache als Belastung und „negative Entwicklung“ ansehen, aber sie kann auch durchaus eine Art „Chance“ sein - denn so können Übungen von Anfang an gezielter durchgeführt werden – vorausgesetzt, die Aufgabe wird ernst genommen. Darüber hinaus können Defizite, die durch Bewegungsmangel entstanden sind, durch Koordinationstraining gut wieder aufgeholt werden.

Die meisten Grundlagen für motorische und koordinative Fähigkeiten im Leben werden im Alter zwischen 5 und 13 Jahren erlernt und eintrainiert. Ein Fußballtrainer trägt also auch eine Menge Verantwortung.

Vergleicht man den Körper mit einem musikalischen Orchester, d.h., die vielen Muskeln und Nervenbahnen mit den Instrumenten des Orchesters, kann man sich selbst als Dirigenten ansehen, und ein gutes Koordinationstraining wirkt wie die Stimmung der einzelnen Instrumente, sodass das Orchester als Klangkörper die besten Stücke spielen kann, wohingegen einseitiges technisches Training oft einseitig den Körper oder eben nur einzelne „Instrumente“ „stimmt“.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten drei Elemente des Fußballtrainings:

Die drei Eckpfeiler im Fußballtraining


Fußballtraining besteht grundsätzlich aus folgenden drei Elementen:


  1. Allgemeinem Koordinationstraining, das sich gut als Aufwärmprogramm eignet
    in der chronologischen Reihenfolge
    Grobmotorik, Feinmotorik – beides unter Zeitdruck

  2. Ballspezifisches Koordinationstraining
    in der chronologischen Reihenfolge
    Einfache Ballfertigkeit – komplexe Ballfertigkeit – beides unter Zeitdruck

  3. Reinem technischen Training

Ratsam ist es, die drei Schwerpunkte gleich stark zu trainieren, wobei es sich bewährt hat, das technische Training zum Großteil in fußballspezifisches Koordinationstraining mit einzuschließen, es kann aber auch teilweise getrennt ausgeführt werden.
Nun zur Ausführung des Koordinationstrainings:

Koordinationstraining und Koordinative Fähigkeiten


Im Mittelpunkt des Koordinationstrainings stehen bis zu vierzig oder fünfzig koordinative Fähigkeiten unterschieden, wovon meist sieben davon als die wichtigsten Fähigkeiten angesehen werden.

Hier drei der zentralsten und wichtigsten koordinativen Fähigkeiten:


  1. Koppelungsfähigkeit
    Teilbewegungen des Körpers gehen reibungslos ineinander über
    Zum Beispiel: die einzelnen Teilbewegungen eines Torschusses wie das Anlaufen, Laufen, Tritt gegen den Ball laufen einheitlich ab.

  2. Räumliche Orientierungsfähigkeit
    Damit ist der Überblick über das Spielfeld und die Spielsituation gemeint und die Fähigkeit, das Spiel dementsprechend einzuschätzen und danach zu handeln.

  3. Differenzierungsfähigkeit
    Hierbei geht es darum, der Situation entsprechend die einzusetzende Kraft optimal dosieren zu können, z. B. einzuschätzen, mit wie viel Schwung ein Ball angekickt werden muss, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.
     
Beim Koordinationstraining wird meist oder am besten mit direkter Ausrichtung der Übungen auf koordinative Fähigkeiten trainiert.
Koordinative Fähigkeiten können zu direkt zur Ballkoordination oder als allgemeine Koordinatinonstraining durchgeführt werden.

Koordinationstraining in der Praxis


Hier einige Beispiele für allgemeines Koordinationstraining mit Ausrichtung auf koordinative Fähigkeiten:


Koordinative Fähigkeit: Gleichgewichtssinn

Übung: Balancieren auf einem Seil oder auf einem Balken.

Koordinative Fähigkeit: Reaktionsfähigkeit

Übung: Schrittfolgen, die sogenannten steps auf der Koordinationsleiter, einem Trainingsgerät zur Reaktionsfähigkeit – in steigendem Tempo ausführen

Koordinative Fähigkeit: Orientierungsfähigkeit

Übung: Versuchen, drei Luftballons gleichzeitig durch geschicktes Orientieren im Raum in der Luft zu halten.  

In vielen Fällen können Geräte wie z. B. die Koordinationsleiter u. A. zur Schulung der Reaktionsfähigkeit sinnvoll und effektiv unterstützen. Im Handel sind verschiedene Geräte erhältlich.